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Evangelischekirchengemeinde-Auringen
Ev. Kirche-Auringen|Geschichte

Geschichte


Evangelische Kirche Auringen

Festschrift



Am Sonntag, dem 13. September 1987, wurde die evangelische Kirche zu Auringen nach langer Zeit der Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten (1.Advent 1986 bis Anfang September 1987) feierlich wieder in Dienst genommen. Gleichzeitig wurde an diesem Sonntag das 200- jährige Turm-Jubiläum gefeiert.



Altar und Kanzel vor der Renovierung:

Gottes Segen, in der Hoffnung, dass dieses Symbol gemeinsamen Handelns aus dem Glauben an Jesus Christus immer daran erinnert, dass wir aufgerufen sind, über unseren Kirchturm hinauszusehen und Jesus Christus nachzufolgen und deswegen sage ich an dieser Stelle noch einmal Dank für die Hilfe, die uns in Concepcion schon aus Auringen zuteil geworden ist.

Ihr

Konrad Schulz, Pfr.

Concepcion, den 29.7.1987



Der Kirchturm

17. Juni 1987. In allen evangelischen Kirchen Hessens läuteten die Glocken an diesem Tag um 17.50 Uhr. Sie läuteten zehn Minuten lang. Auch die Auringer Glocken hörte man zu dieser ungewöhnlichen Zeit. Sie wollten auf den Beginn des Evangelischen Kirchentages in Frankfurt aufmerksam machen.

Seit Bestehen der Dorfkirche begleitet das Glockengeläut den Tagesablauf und kündet frohe und traurige Ereignisse im Leben der Auringer Menschen an. Als die schlichte Kirchenhalle 1716 fertiggestellt war, hingen die große und die kleine Glocke zuerst unter der Haube des Dachreiters und nicht wie heute im Kirchhturm. Den gab es damals noch nicht. Aber offenbar waren der Kehlbalken oder die Art der Befestigung zu schwach - die Glocken lösten sich mehrmals im Laufe der ersten 50 Jahre und zersprangen auf dem Fußboden der Kirche. Daraufhin entschlossen sich die Auringer, einen Kirchrum zu bauen

800 Gulden für den Kirchturm

Die Errichtung eines Trums aus Eichenstämmen über einem gemauerten Sockel sollte 800 Florentiner Gulden kosten. Das überstieg die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde beträchtlich. Deshalb veranlasste Pfarrer Georg Philipp Cramer beim Idsteiner Konsistorium eine Landessammlung, allerdings mit so kärglichem Ergebnis, dass nur ein kleiner Teil der Baukosten bezahlt werden konnte.

Fronarbeit und Schulden

Dem energischen Einsatz des damaligen Schultheiß Davis Ruf gelang es, Geldgeschenke und Eichenstammholz von den umliegenden Gemeinden zu erhalten. Eine gewaltige Anstrengung aller Auringer war dennoch notwendig, um gemeinsam den Bau des Turmes 1787 fertig zustellen. Im Dorf lebten damals 32 Familien (etwa 200 Einwohner). Sie alle leisteten den zu jener Zeit üblich Frondienst, gaben Sachspenden und verrichteten weitere freiwillige Arbeiten am Bau. Zusätzlich musste die Gemeinde einen langjährigen Kredit über 500 Gulden bei der Bank in Niedernhausen aufnehmen. So kam es, dass der 20 m hohe Turm als Eigenturm der Zivilgemeinde ins Lagebuch eingetragen wurde. Sie übernahm auch fortan sämtliche Reparaturen, verursacht durch Verschleiß, nicht fachgerechtes Bauen oder durch Blitzeinschlag. Der Besitz des Kirchturms war also nicht nur ein bauliche Leistung und der Stolz der Gemeinde, sondern auch eine finanzielle Bürde. So kam es, dass die Gemeinde noch 24.000DM Ablösesumme dazu zahlte, als der Kirchturm 1974 durch Schenkung der Kirche übergeben wurde.



Tagesablauf , Feuer und Siege

Viele Jahrzehnte lang blieb nun der Kirchturm von zentraler Bedeutung für alle Dorfbewohner , denn das ganze Leben - nicht nur das kirchliche wurde von den Kirchenglocke und der Kirchenuhr bestimmt. Hoch oben, gut sichtbar installierte ein Schmied, vermutlich aus Niedernhausen, die gusseiserne Uhr. Diese war sehr wichtig, weil die meisten Einwohner keine eigene Uhr besaßen. Neben der Uhr wurden die beiden Glocken aufgehängt, die nun weiterhin hörbar waren und sich nicht mehr aus ihrer Verankerung lösten. Die sonn- und feiertäglichen Gottesdienste und alle wichtigen Familienfeste, wie Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Beerdigung wurden durch die Glocken angekündigt. Läuten die Glocken morgens um acht begann die Arbeit auf dem Felde und er Schulunterricht. Wenn sie um 11 Uhr läuten, bedeutete das die frühe Mittagspause und das Heimholen der Bäuerinnen zum Mittagkochen. Um 13 Uhr riefen die Glocken zur Fortsetzung der Feldarbeit und zum Nachmittagschulunterricht. Im Sommer läuteten sie auch um 16 Uhr zum Vesperbrot und um 19 Uhr geboten sie dann den Feierabend. Das Glockengeläut war niemals nur Zeitansage! Die Familienmitglieder unterbrachen die Arbeit zu einem kurzen Gebet oder versammelten sich zur Abendandacht. Waren die Glocken außerhalb dieser festgelegten Zeiten zu hören, unterbrachen die Dorfbewohner sofort ihre Arbeit und liefen zum Löscheinsatz. Schlug die Glocke sechsmal, hieß das „Feldbrand“, schlug sie dreimal, brannte es im Dorf. Wenn jemand gestorben war, läutete Totenglöcklein. In besonders schlimmen Kriegszeiten fehlten allerdings oft die vertrauten, bedeutungsvollen Klänge. Die Glocken wurden abgehängt, zerschlagen und für Rüstungszwecke eingezogen. Aus Glocken wurden Kanonen. Manchmal blieb das Totenglöckchen hängen und übernahm dann alle Aufgaben. Es verkündete auch die militärischen Siege.

Die heutigen Glocken sind aus beschriebenen Gründen noch nicht sehr alt. Die kleine Glocke wurde 1920 gegossen und trägt die Inschrift: „Gott ist Sonne und Schild“

Die große Glocke wurde nach dem zweiten Weltkrieg gefertigt und hat folgendes Spruchband: „Gott zur Ehre, kommenden Generationen zur Mahnung“

Wann läuten die Glocken heute?

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges erkannte man, dass das Glockenläuten oft zur Propagandazwecken, etwa bei „Siegesmeldungen“ und nationalen Feiertagen, missbraucht worden war. Deshalb erließ die Evangelische Kirche in Deutschland 1956 eine verbindliche Läuteordnund.

Hier ein Auszug:

„Die rechtliche Reglung der die Kirchenglocken betreffenden Angelegenheiten unterliegt dabei heute im Hinblick auf die verfassungsrechtliche Garantie der kirchlichen Selbstverwaltung aus schließlich der Zuständigkeit der einzelnen Kirchen (Pfarrer, Kirchenvorstand). Für außerkirchliche Zwecke wird das Läuten der Kirchenglocken allgemein in Katastrophenfällen (zur Warnung der Bevölkerung, zur Herbeirufung von Hilfe usw.) gestattet.



In Auringen läuten die Glocken jetzt täglich um 11 Uhr und um 19 Uhr. Sie rufen zum Innehalten in der Arbeit und zu einem stillen Gebet. Samstags um 14 Uhr läuten sie den Sonntag ein. Eine Stunde vor dem Gottesdienst erklingt das Erstgeläut, 10 Minuten vor Beginn läuten die Glocken zum zweiten Mal, und Glockenspiel begleitet auch das „Vater unser“ - Gebet. Wenn ein Dorfbewohner gestorben ist, hört man das Glockengeläut morgens um 8 Uhr. Auch kirchliche Trauungen und Beerdigungen werden durch Glockengeläut angekündigt. Nachts schweigen die Glocken. Nach 22 Uhr und bis 6.30 Uhr hört man nicht einmal den Stundenschlag der Kirchturmuhr, aus Rücksicht auf die unterschiedlichen Schlafbedürfnisse der Auringer Bevölkerung.

Herausragende Ereignisse

„1877“, so schilderte es August Ruf in der Dorfchronik „waren die Kirchenglocken im Laufe der Zeit schadhaft geworden. Der Umguß der alten Glocken wurde bei dem Glockengießer Andreas Hamm in Frankenthal in Auftrag gegeben. Die neuen Glocken wurden am Bahnhof in Mainz abgeholt und in feierlicher Weise überführt. Von Schulkindern und Jungfrauen geleitet, an der Spitze zwei Festreiter wurden die Glocken durchs Dorf gefahren, von Gesang und passenden Liedern begleitet und nach Beendigung der Festlichkeit von sachkundiger Hand angebracht.

Für Mädchen nicht geeignet

Die Gemeinde Auringen war lange Zeit zu arm, um die Kosten für einen Küster aufzubringen. Darum war es Aufgabe des Dorflehrers, die Glocken zu läuten. Später übernahm diese Aufgabe oft der Dorfdiener. Das Läuten zum Schulbeginn war ein Privileg der Dorfbuben. Die Glockenseile mussten mit viel Kraft Einsatz und im gleichmäßigen Takt runter und ran gezogen werden, um die Klöppel zum Schwingen zu bringen. Wollten sie das Glockenläuten beenden, ließen die Buben sich einfach mit dem Seil in die Höhe ziehen. Das war für Mädchen, die damals ausschließlich Röcke trugen, natürlich undenkbar.



1974 wurde dann ein elektrisches Schlagwerk eingebaut, und das anstrengende Läuten von Hand hatte ein Ende. Bis zu diesem Zeitpunkt mussten auch die schweren Sandsteingewichte der Kirchenuhr jeden Morgen um 11 Uhr aufgezogen werden.

Der schöne viereckige Kirchturm mit verputztem Bruchsteinsockel und massiver Eichenstammkonstruktion, mit Schieferhaube und vergoldetem Wetterhahn feiert in diesem Jahr in diesem Jahr sein 200-jähriges Jubiläum. Auch heute noch hat er eine wichtige Bedeutung für alle Auringer Bürger - nicht nur für die evangelischen Christen. Er ist zusammen mit der schönen alten Barockdorfkirche des Wahrzeichen von Auringen geworden.

Monika Röll

Kirchenraum vor der Renovierung, vom Eingang her gesehen

 



WIR SIND UNTERWEGS...

Wer unsere Kirche betritt, geht zunächst in die Vergangenheit zurück. Das ist auch gut so - und lehrreich. Jetzt, nach der Renovierung, sehen wir, nein: erleben wir, wie sich die Menschen damals gemüht haben, den Kirchenraum harmonisch und einladend zu gestalten. Vermutliche haben die diese Gestaltung, bewusst  oder unbewusst, auch als Teil der Verkündigung verstanden. Wohl sollten sich Gottesdienstbesucher in der Kirche fühlen, es sollte etwas von der Freude des Evangeliums sichtbar werden durch Form und Farbe und das Spiel von Licht und Schatten. Barocke Harmonie - in ihr meldet sich nicht zuletzt der Wunsch, sie als Gleichnis zu erfahren für das letztgültige und alles umfassende Heilsein, das Geborgensein in Gott.

Das alles wird uns in unserer Kirche nun wieder vor Augen geführt, damit wir es mit der Seele erfassen. Ob wir es noch können? Wir leben ja inzwischen in der anderen Zeit, in der Plastikzeit, in der Wegwerfgesellschaft. Wir Menschen des Jahres 1987 werden gehetzt von einer Mode zu anderen - und wir lassen und hetzen. Wir werden unablässig verführt, und wir lassen uns verführen, das angeblich Neuste, Beste unbedingt Lebensnotwendige zu kaufen, um es morgen wegzuwerfen. Wir werden betäubt durch ständige Ablenkung und Zerstreuung, durch Berieslung mit dreisten Glücksversprechungen einer bestimmten Art von Werbung, und wir merken oft gar nicht mehr, wie groß unser Hunger nach wahrem Heilsein, nach tiefem Sinn ist. Ich meine: gerade uns wird unsere Kirche durch das, was die Vorfahren gestaltet haben, auch die Chance gegeben, wieder ahnen, wieder verstehen zu lernen, was uns fehlt.

Nun hat uns der Blick zurück auch zu uns in die Gegenwart geführt. Das soll so sein, gerade bei Christen. Denn man kann ja auch in der Vergangenheit stecken bleiben, gleichsam in sie hineinfliehen, um dem Heute mit seinen Herausforderungen (vermeintlich) zu entkommen. Uns Christen ist das geradezu verboten. Denn Gott begegnet immer neu. Glauben und Gott begegnen, das geschieht immer heute. Gewiss brauchen wir, wie oben gezeigt, den Blick zurück - aber wir brauchen ihn, um heute weiter und klarerer sehen zu können. Wir brauchen die Angindung an die Vergangenheit. Wir tun das ja, etwa im Gottesdienst beim Singen der alten Lieder, im Hören auf das alte Woert der Botschaft, im Nachsprechen der alt-vertrauten Worte in Gebet und Bekenntnis. Wir tun alles, weil es uns helfen soll, heute als Christen verantwortlich zu leben, heute Gott neu zu entdecken. Ein Beispiel: Wir halten uns manchmal an den alten Worten geradezu fest, damit wir heute nicht sprachlos werden oder, damit wir heute die richtigen und deutlichen Worte finden.

Unsere Kirche ist gerade nach der Restaurierung, die das Alte freigelegt hat und betont, kein "Museum". Sie ist Lebens-Raum für alle, die meinen, diesen Raum zu brauchen, und es kommt nun darauf an, dass wir unser Leben in diesem Raum tragen. Was uns Grund zum Loben und Danken ist und Grund zur Angst... - das darf und soll vor Gott und den Menschen Ausdruck finden.

Manchmal war es in der Zeit der Restaurierung ungewohnt laut in der Kirche, weil über vieles vor Ort mehr oder weniger liebevoll-heftig diskutiert, ja: auch gestritten wurde. Sollen die Bänke hell oder dunkel werden? Wohin mit der Kanzel? Was hat den Menschen damals gefallen, und was gefällt uns? Oft gab es mehr Meinungen und Wünsche als reale Möglichkeiten. Diese mussten miteinander wirklich gesucht und dann auch gemeinsam verantwortet werden. Mancher Wunsch blieb unerfüllt: Wäre es nicht schöner, wenn...?

Mich erinnert das daran, dass glauben heißt: auf dem Weg zum Ziel sein, Wege zu suchen, über Wege zu beraten und auch über Wege zu streiten. Zu streiten, nicht zu zanken! (Das ist eine wichtige Unterscheidung.) Ja, glauben heißt: unterwegs sein auf dem Weg, unterwegs sein mit den Glaubenden, die vor uns lebten und mit denen, die nach uns leben werden.

Pfarrer Volker Henkel

Die Inschrift über der Auringer Kirchentür lautet:

ANNO 1716 DEN 12. AUGUST IST AN DIESER KIRCHE
DER ERSTE GRUNDSTEIN GELEGT WORDEN UND HA-
BEN MIT DER HILFE UND GNADE GOTTES DISEN KIRCH-
BAU AUFGEBAUT ALS HR NICLAUS RUF S.HEIS, MAT-
HEAS PREM, IAKOB HILEBRAND, BASTIAN HELLER,
RHEINHARD FISCHER ALS GERICHTE UND SÄMBLICHE
GANZ GEMEINDE

Erläuterung:      
                      HR = Herr   
                      S.Heis = Schultheiß



AUS DER BAUGESCHICHTE DER AURINGER KIRCHE

von Helmut Dauber


Die nunmehr renovierte Auringer Kirche stammt aus dem Jahre 1716. Vorher gehörte Auringen - sowie die Überlieferung zurückreicht - kirchlich zu Kloppenheim. alle kirchlichen Handlungen (Gottesdienste, Taufen, Konfirmationen, Trauungen und Beerdigungen) fanden in dem rund 4 Km entfernten Kloppenheim statt. Der Kirchenweg von einer guten Stunde war nicht nur für Kinder und alte Leute sehr beschwerlich, sondern auch für die übrigen Einwohner eine große Last, besonders im Winter und bei Regenwetter. auf diesem Umstand wiesen die Auringer in ihrem Gesuch, eine eigene Kirche erbauen zu dürfen, ausdrücklich hin.

Ein weiterer Grund für den Kirchenbau ist zweifellos darin zu suchen, dass die Auringer bestrebt waren, sich mehr und mehr aus der Abhängigkeit von Kloppenheim zu lösen. Nach dem 10-jährigen Krieg hatte man bereits ein eigenes Gericht erhalten, 1701 eine eigene Schule. Nun sollte auch kirchlich die Trennung vollzogen werden, denn man betrieb nicht nur den Kirchenbau, sondern auch Gründung einer besonderen Pfarrei Naurod-Auringen, trotz der zu erwartenden zusätzlichen Lasten für den Bau eines Pfarrhauses und für die Besoldung des Pfarrers. die finanziellen Schwierigkeiten waren in der Tat groß, denn die Gemeinde war arm und hatte wenige gemeindeeigene Waldungen und damit nur geringe Einnahmen. Es stimmt daher nicht wunder, dass man sich für die billigere Lösung, den Bau einer Fachwerkkirche, entschied, nachdem die Kostenanschläge des Werkmeisters Bager einen Unterschiedsbetrag von 200 Gulden zwischen einer Ausführung aus Stein und einer solchen aus Holz ergeben hatten. Der Fürst allerdings war damit nicht einverstanden. Er argumentierte, die Auringer Wälder erlaubten nicht einen solch umfangreichen Holzeinschlag, wie er dann erforderlich wäre. Man solle eine Kirche aus Mauerwerk aufführen, die Gemeinde könne 30 Bütten Kalk aus der herrschaftlichen Ziegelei erhalten und im übrigen wolle man großzügig die Erhebung von Kollekten gestatten. Der "Staatszuschuss" bewegte sich- wie man sieht - in äußerst bescheidenen Rahmen. Die Gemeinde musste den Kirchenbau im wesentlichen selbst finanzieren.
Am 12. August 1716 wurde der Grundstein zur Kirche gelegt, und bereits am 15. Oktober konnte das Richtfest gefeiert werden. Das Datum der Einweihung ist nicht überliefert, doch wurde die Kirche noch vor Einbruch des Winters in Benutzung genommen, wahrscheinlich am 27. November. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings die Kirche kaum bis ins Detail fertiggestellt. Der Kirchbau von 1716 umfasste lediglich das heutige Kirchenschiff. Auf dem Dach befand sich ein kleines Glockentürmchen, das nicht ganz fachgerecht ausgeführt war und nur auf den Kehlbalken aufsaß. Die kleine Glocke wurde in Mainz für 261 1/2 Gulden erworben. Die Kanzel - heute noch vorhanden - stammte aus der Erbenheimer Kirche und kostete nur 23 Albus. eine Uhr fehlte nicht. die Altargeräte waren in Idstein überzählig und wurden der Auringer Gemeinde ohne Entgeld "verehrt". Etwa 1720 ließ man eine Orgel einbauen. Die Kosten für den Bau von Kirche und Pfarrhaus (1/2 Anteil) betrugen rund 930 fl (Gulden) und wurden aufgebracht durch Anleihen (550fl.), Kollekten und Spenden (282 fl), Holzverkäufe (78 fl) und sonstige Einnahmen. Hinzuzurechnen sind noch die Leistungen der Einwohner beim Holzeinschlag und beim Transport der Baumaterialien.
Insgesamt war der Bau der Kirche ein echtes Gemeinschaftswerk der Einwohner Auringens, was in der Inschrift über der Kirchentür klar zum Ausdruck kommt. Haupttriebfeder beim Kirchenbau war der Schulterheiß Johann Nikolaus Ruf, dessen Grabkreuz sich neben dem Eingang zur Kirche befindet. Er errichtete zusammen mit dem Nauroder Schulterheißen Johann Zacharias Herrmann, dass die Pfarrei Naurod-Auringen gegründet wurde. Erster Pfarrer war Johannes Carmer, der Sohn des früheren Kloppenheimer Pfarrers. Er wurde am 8. Oktober 1716 in Idstein ordiniert. eine Woche später trat er seinen Dienst in Naurod an. Auringen musste als Hauptnutznießer der neuen Reglung zusätzliche Lasten auf sich nehmen. Die alten Abgaben an den Kloppenheimer Pfarrer waren weiterhin zu leisten. Hinzu kamen nun neu Belastungen zugunsten des Nauroder Pfarrers: 10 Reichstaler (15 fl), fünf Malter Korn und ein Karren Holz von jedem Gemindsmann.
Wenn auch schließlich das Werk glücklich zu Ende gebracht war, so blieben dennoch genügend Sorgen zurück. Da war zum einen die Last der Schulden. Ihre Abtragung fiel sehr schwer. Zum andern aber zeigten dich bald Schäden am Glockentürmchen. Wohl damit zusammenhängend zersprang 1751 eine Glocke. Die Ersatzglocke kostete 134 fl. Im Jahre 1765 fiel ein Glocke vom Turm herab, so dass sich der Schulterheiß Ernst gezwungen sah, die "gnädige Herrschaft" um die Entsendung eines Bausachverständigen zu bitten. Dieser solle untersuchen, ob eine Reparatur möglich sei oder ob ein neuer Turm aufgeführt werden müsse. Mauermeister Weber und Zimmermeister Roedel nahmen daraufhin den baufälligen Turm in Augenschein. Ihr Urteil fiel schlimmer aus als erwartet, indem sie feststellten, dass das Türmchen schlecht auf der Kirche stehe und der ganzen Kirche schädlich sei. Das Mauerwerk habe sich schon "in der Mitte geschwenkt", weil die Kirche kein Gebälk habe und das Türmchen lediglich "auf die Kehlbalken gegründet" sei. Der Kostenvoranschlag weist für den Anbau eines Turmes - damals an der Ostseite geplant - den Betrag von rund 620 fl aus. Damit stand Gemeinde Auringen vor einem neuen finanziellen Problemen, die diesmal schier unlösbar schienen, zumal die Behörde nicht helfen wollte. Diese fürchtete, dass die Kosten noch erhöhen könnten und verordnete deshalb, falls der Turm nicht wiederherzustellen sei, müsse er abgetragen werden, um weitere Schaden vom Hauptgebäude abzuwenden. Ein Glöckchen zum Läuten rund um die Uhr sollten an einem anderen "schicklichen Ort" angebracht werden. die Auringer waren mit dieser Reglung nicht einverstanden und wandten ein, auch ein solches Provisorium kostete Geld. Der Mauermeister Weber sei bereits, das Werk nach dem Überschlag zu übernehmen, so dass Mehrkosten ausgeschlossen wären. zur Finanzierung erbaten sie eine doppelte Kollekte zu verschiedenen Zeiten und die Erlaubnis, ihr angespartes Kirchenkapital von 300 fl für den Neubau verwenden zu dürfen. die Behörde lehnte aber diese Vorschläge ab und blieb bei ihrer früheren Entscheidung. Das Glockentürmchen blieb vorerst weiter auf seinem Platz. als 1782 wiederum die kleine Glocke zersprungen war, erwarb man eine Glocke aus dem Wiesbadener Waisenhaus. Dieser neuerliche Vorfall führte die Dringlichkeit eines Turmbaues deutlich vor Augen. In der Folgezeit wurde diese Projekt energischer als bisher forciert, so dass es 1787 endlich verwirklicht werden konnte. An anderer Stelle des Heftes wird darüber eingehend berichtet.
Nicht geklärt ist bis jetzt, wann der Anbau an der Südseite der Kirche erfolgt ist. In den bis dato benutzten Archivalien fehlt jeglicher Hinweis darüber. Verfasser war vordem der Meinung, dass es sich hierbei um das im Stockbuch erwähnte Bahnhaus handeln könnte, weil die hier abgegebenen Maße mit denen des Anbaus übereinstimmen. In einem unlängst erstmals benutzten Inventarium von 1833 wird aber bemerkt, dass ich das Totenbahrhaus an der Nordseite befinde und aus Holz gebaut sei. Damit ist die Version, der Anbau sei das Bahrhaus gewesen, nicht aufrechtzuerhalten. Vielleicht kann einmal nach weiterer Arbeit an bisher nicht benutzten Quellen diese Frage gelöst werden, zumal gerade die letzten beiden Jahrhunderte noch einer eingehenden archivarischen Aufarbeitung bedürfen. Aus dem gleichem Grunde sei folgende Zeit nur kurz skizziert. 1816 wurde die Orgel, die sechs Register hatte, repariert. 1889 war sie so schadhaft, dass sie durch eine neue ersetzt werden musste.
Innenrenovierungen sind 1856/57, 1923 und 1950/51 bezeugt. 1856 war von allem die Decke sehr reparaturbedürftig. Die Kirchengemeinde wollte eine neu verschalte und mit Ölfarbe gestrichene Decke. Der Bausachverständige der Behörde aber hielt die Neuverschalung für überflüssig und meinte, der Zweck könne auch durch eine neu aufgebrachte Verputz bei Ausbesserung der alten Verschalung erreicht werden. die Lösung, die Auringer wünsche, sei fünfmal teurer. Da das Innere Kirche sehr verschmutzt und verdorben sei, solle man die Gelder besser dafür verwende, diesen Misstand abzustellen. Die vorgeschlagenen Tüncherarbeiten wurden dann 1857 durchgeführt. Irgendwann in der Folgezeit kam es allerdings doch noch zu der von Auringen favorisierten Lösung, einen verschalten Decke, die mit Ölfarbe gestrichen war. 1923 wurde die Kirche im Innern vollständig renoviert. Ruf schreibt in diesem Zusammenhang: "Außer schönem, gründlichen Anstrich durch Tünchermeister Wilhelm Sauberorn von hier wurden durch den Dekorationsmaler Dörr aus Wiesbaden in uneigennütziger Weise geschmackvolle Malarbeiten angebracht und ein harmonisch passender Grund am Sakristeibogen zur Anbringung einer von der Gemeinde durch Bildhauer Link zu Idstein hergestellt Ehren-Gedenktafel für die im Weltkrieg gefallenen Helden geschaffen."
Die Renovierung von 1950/51 brachte eine teilweise Umgestaltung des Kirchenraums mit sich. Einmal wurde die Holzdecke mit Rohrmatten überzogen und verputzt. Zum anderen trennte man die südlichen Anbau, in dem sich vorher Pfarrstuhl und Gerichtsstuhl befunden hatten, durch eine Wand vom Kirchenschiff ab und schuf auf diese Weise eine abgeschlossene Sakristei. Im Zuge dieser Baumaßnahme mussten auch Kanzel und Altar versetzt werden. die jetzige Renovierung stellt im Bereich der Sakristei durch Wegnahme der Wand den alten Zustand wieder her.
Charakteristisch für die Außenrenovierung in der Nachkriegszeit ist die im Gegensatz zu früheren Farbgebung wesentlich heller und kontrastreiche Farbgestaltung.



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